Hochstrebende Klänge

Nicht falsch, an Säulen zu denken. An Stäbe,
unverankert. Wir wissen, es geht um Musik.
Auch Klaviatur stellt sich ein. Doch diese
„Tasten“ sind unterschiedlich, auch die
Abstände zwischen ihnen. Dünne, dicke,
sehr dicke Striche, was Tonwerten entspricht.
Schwarz auf Grau, Grau auf Weiss. Was hätte
Galina dazu gesagt? Die herbe Ustwolskaya
mit ihren himmelstrebenden Klängen? Gott
ist oben, keine Frage, nur von ihm lässt sich
ewiger Friede erbitten („Dona nobis pacem“).
Schrill, fordernd, kategorisch. Will das Bild
kategorisch sein?
Umsetzung ist Umsetzung, was eigene
Setzungen erfordert. Definiere den Strich so,
das Quadrat anders. Halte dich ans Festgelegte,
bis die Ordnung evident wird. Sichtbar für
das schauende, prüfende Auge. Schlüssig.
Gut die Schräge des grauen Rechtecks.
Wie es die Vertikalen mildert. Auffängt.
Wo wollen sie denn hin.
Auch das Rechteck hat Ambitionen, über
den Bildrand hinaus. Aber nein. Bleibt nur
die Schwebe.Taubengrau. Ein geschwenktes
Klangtuch.
Friede, und ob. Todsicherer Friede. Ungezählt.
Erprobt in Noten und Graphen, Strichen und
Quadraten. Er singt. Er braucht keinen Nagel.

Ilma Rakusa, 2020

 

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