Atmen bitte
Ins Horizontale, in die ziehenden Linien,
Gubaidulinisch, schon klar, dass sie aus
der Tiefe kommen („de profundis“), die
Stimmen. Der Grund ein schwarzer Balken,
solid. Immer muss es ein Unten geben, in
der Ebene des Gewichts. Von hier stösst
sich ab, was nach oben will. Ins schräge
Grau, zur Partitur der Gezeiten und Weiten.
Fluide Welle! Unverblümter Pinselstrich!
Solche Bewegung fliesst als Klangstrom
gegen das Erwartbare. Und jetzt? Wer lehnt
sich auf? Der Atem geht, man kann ihn hören.
Das innere Ohr ermisst die Spanne zwischen
Laut und Nichts. Subtile Töne. Sie wollen leben.
Wenn ich schlafen will, muss ich auferstehen.
Hat das Sofia gesagt? Im wievielten Traum?
Das Auge trinkt den Strom, der an den Rändern
zittert. Immer zittert etwas. Auch die Pausen.
Denn wir reden nur, bis wir nicht mehr reden.
Dann ist es still. Und weiss.
Ilma Rakusa, 2020